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03.03.2025

Herausforderungen bei der Klärung von Abwasser – Mikroplastik und Medikamentenrückstände bleiben ein Problem – Grenzwerte fehlen

In den letzten Jahren hat die Diskussion über die Belastung von Gewässern durch Mikroplastik und Medikamentenrückstände an Bedeutung gewonnen. Ein Großteil der heutigen Kläranlagen ist nicht dafür ausgelegt, solche Stoffe aus dem Abwasser herauszufiltern. Und so gelangen sie ungehindert in die Natur.

Das Umweltbundesamt äußerte sich bereits im Jahr 2024 dazu: „Humanarzneimittel gelangen größtenteils über die Abwässer in die Kläranlagen. Dort werden diese jedoch zum größten Teil nicht zurückgehalten oder eliminiert. Deshalb werden Rückstände von Humanarzneimitteln nahezu flächendeckend und ganzjährig im Bereich von Kläranlagenabläufen, sowie in Bächen, Flüssen und Seen, aber auch im Grund- und vereinzelt im Trinkwasser nachgewiesen.“ Mit dem Mikroplastik verhält es sich ähnlich. Hier unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Kunststoffarten: die als aufschwimmende Teilchen, als schwebende Teilchen und als absinkende Teilchen im Abwasser vorkommen. Die Entfernung aus dem Abwasser gestaltet sich hierbei sehr schwierig und auch teuer.

„Ob und in welchem Maß bisher Medikamentenrückstände oder Mikroplastik von den Kläranlagen in unserem Amtsbereich entfernt werden, können wir nicht sagen, da auf diese Parameter bisher nicht beprobt wird“, berichtet Stefan Weiß vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. 

In Deutschland werden pro Jahr rund 15 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht. Davon landen etwa drei Prozent in der Umwelt. Trotz aller Abwasserreinigungen gelangen in Deutschland jährlich zirka 112.000 Tonnen Mikroplastik in unsere Gewässer. Weltweit wird der Mikroplastikeintrag in Flüsse, Seen und Meere auf rund 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt.

Auch hier unterscheidet man; Primäres Mikroplastik, welches beispielsweise durch die Nutzung von Kosmetika, Duschgels, Cremes, Deodorants, Zahnpasta, als auch von Wasch- und Reinigungsmitteln, die Mikroplastik enthalten, ins Abwasser gelangt. Und sekundäres Mikroplastik, darunter versteht man unter anderem den Abrieb von Autoreifen, den Abrieb und die Verwehung von Sport- und Spielplätzen und verschiedene Verpackungsmaterialien. Auch bei der Reinigung von synthetischen Textilien entsteht dieses sekundäre Mikroplastik. Aber auch die Größe der Teilchen lässt sich noch einmal unterteilen. Makroplastik ist mit dem bloßem Auge zu sehen. Mikroplastik ist nur noch teilweise sichtbar. Und um Nanoplastik sehen zu können, benötigt man ein Mikroskop. Um Mikro- und Nanopartikel aus dem Abwasser entfernen zu können, bedarf es gesonderte kostenintensive Filtrationsprozesse in Kläranlagen.

Stefan Weiß: „Kläranlagen sind bisher nicht auf die Elimination von Spurenstoffen ausgelegt“. Unter dem Begriff Spurenstoffe werden vor allem im Wasser befindliche, unerwünschte Stoffe verstanden, die auch als Mikroverunreinigungen oder Mikroschadstoffe bezeichnet werden.

Gerade Krankenhäuser stehen oftmals in der Kritik, dass das dortige Abwasser vermehrt mit Medikamenten- und Kontrastmittelrückständen, toxisch wirkenden Substanzen oder antibiotikaresistenten Bakterien versetzt ist, da es hier zu einem erhöhten Eintrag solcher Stoffe gegenüber Haushalten gibt. Der Bayerische Landtag teilte in der Drucksache 18/6802 aus dem Jahr 2020 mit, dass es hier zu einer Verdünnung von zirka 1:100 kommt, da das Abwasser in das kommunale Abwassernetz eingeleitet wird. Weiter wird mittgeteilt: „Es ist trotzdem anzunehmen, dass Antibiotika bzw. Antibiotika-Rückstände durch die Krankenhausabwässer in die Umwelt gelangen und unter Umständen zur Selektion von Antibiotikaresistenzen Bakterien in den Oberflächengewässern führen könnte. Dadurch entsteht allerdings keine konkrete Gesundheitsgefahr für die Allgemeinbevölkerung.“

Die Fraunhofer-Gesellschaft befasst sich ebenfalls mit der Thematik: „Antibiotika, Zytostatika, Psychopharmaka – Patienten in Krankenhäusern schlucken viele Medikamente. Ein Teil davon wird ausgeschieden und landet im Abwasser. Selbst nach der Behandlung in der Kläranlage sind sie im Wasser teilweise nachweisbar, da sie nicht biologisch abgebaut werden. Noch können die Experten die Auswirkungen für die Umwelt nicht vollständig absehen.“

Aktuell gibt es keine flächendeckende und regelmäßige Messung von Arzneimittelrückständen, sowie Mikro- und Nanoplastik in Trink- oder Grundwasser. Diese Parameter sind weder in der Trinkwasserverordnung noch in der Eigenüberwachungsverordnung festgelegt. Grenzwerte? Fehlanzeige! Obwohl der Fokus der Umwelt- und Gesundheitspolitik zu diesem Thema geschärft ist, fehlt hier die Gesetzgebung.

Laut Bundesumweltamt wurden in Deutschland bislang 64 unterschiedliche Antibiotika in der Umwelt nachgewiesen und in den deutschen Gewässern sogar mehr als 150 verschiedene Arzneimittel.

„Zur Entfernung von Spurenstoffen ist eine „Viertbehandlung“ in Kläranlagen notwendig, erklärt Stefan Weiß.

Unter dieser vierten Reinigungsstufe versteht man einen zusätzlichen Reinigungsschritt in der Klärtechnik. Dabei werden schwer abbaubare Spurenstoffe, die in diesem Fall zumeist von Reinigungsmitteln, kosmetischen Produkten oder aus der Medizin stammen eliminiert.
Diese Maßnahme wurde in der Kommunalabwasserrichtlinie von 2024 festgelegt. Die EU-Richtlinie soll bis Ende 2026 in nationales Recht überführt werden. Erst danach sind große Kläranlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten bis zum Jahr 2035 nachzurüsten. Kleinere Anlagen über 10.000 Einwohnerwerten müssen voraussichtlich bis 2045 angepasst werden. Für Kläranlagen unter 10.000 Einwohnerwerten gibt es aber auch dann keine generelle Pflicht, eine Viertbehandlung des Abwassers durchzuführen.

„Aber selbst mit der Vierten Reinigungsstufe scheitern Kläranlagen an Wirkstoffen wie Röntgenkontrastmittel, sodass Spurenelemente sogar vereinzelt im Trinkwasser nachgewiesen werden konnten“, weiß die Ärztekammer Nordrhein zu berichten.

Bereits im Jahr 2019 hat die australische University of Newcastle eine Studie veröffentlicht. Hieraus geht hervor, dass der Mensch rund fünf Gramm Mikro/Nanoplastikpartikel pro Woche unbemerkt zu sich nimmt – Fünf Gramm entsprechen dem Gewicht einer Krankenkassenkarte. 

Kunststoff spielt in der modernen Gesellschaft eine entscheidende Rolle, da er in zahlreichen Bereichen wie Medizin, Bauwesen, Transport und Verpackung eingesetzt wird. Die Vielseitigkeit, Haltbarkeit und Kosteneffizienz machen Kunststoff zu einem derzeit noch unverzichtbaren Material.

Die Bilder zeigen verschiedene Klärstufen, welche in der Kläranlage Murnau aufgenommen wurden.

Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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